Schwäbische Zeitung, 09.01.2020, von Gerd Mägerle

„Wie eine große Hilfslieferung aus Biberach Menschen in Tansania rettet“

 

Gut im ostafrikanischen Tansania angekommen sind zwei große Container mit Klinikausstattung, die der Biberacher Unfallchirurg und Orthopäde Dr. Thomas Kühn (Mitbegründer der Nova Clinic) dorthin auf die Reise geschickt hatte. Kurz vor Weihnachten ist Kühn selbst von einem sechswöchigen Aufenthalt aus Tansania zurückgekehrt und berichtet, wie es nun weitergeht.

„Ich kann allen Spendern aus Biberach sagen, dass alle Geräte, Instrumente und Utensilien pünktlich, unbeschädigt und vollständig in den beiden Kliniken in Tansania angekommen sind, wo sie verwendet werden sollen“, sagt Kühn. Es war die erste große Hilfslieferung die er mit seiner 2018 gegründeten „Kühn Foundation“ von Deutschland nach Ostafrika schickte.

„Menschen sitzen auf den Fluren, es gibt keine ausreichenden OP-Kapazitäten und die Versorgung ist armselig. „

Dr. Thomas Kühn 

Der heute 67-jährige Kühn, der Anfang der 1980er-Jahre als Entwicklungshelfer in Tansania arbeitete, hat sich für die Zeit des Ruhestands vorgenommen, mit seiner Stiftung Aufbauarbeit in dortigen Kliniken zu leisten.

Eine davon liegt in Wasso im Norden des Landes. „Das ist am Ende der Welt, da gibt es in einem Umkreis von 300 Kilometern keine Teerstraße“, beschreibt Kühn die Verhältnisse.

An einen Transport von Verletzten in weiterführende Kliniken sei aufgrund der Distanzen und schlechten Straßenverhältnisse nicht zu denken.

„Da ist man mindestens acht Stunden unterwegs.“ Wichtig sei deshalb, dass man 90 Prozent der Fälle in der Klinik behandeln könne. Kühns Augenmerk liegt vor allem auf einer guten chirurgischen Ausstattung, um beispielsweise Unfallverletzungen zu behandeln.

Die zweite Klinik, die er unterstützt, liegt in Mwanza am südlichen Ufer des Victoriasees. Sie hat zu Jahresbeginn ihren Betrieb aufgenommen. „Die andere Klinik in der Stadt ist überlastet, da sitzen die Menschen auf den Fluren, es gibt keine ausreichenden OP-Kapazitäten und die Versorgung ist armselig“, sagt Kühn.

In den Containern, die er nach Tansania geschickt hat, befanden sich unter anderem zwei Röntgengeräte – eines davon aus der Nova Clinic -, Implantate, Instrumente und ein Gerät für Hauttransplantationen.

Manches hat er über Spenden beschafft, anderes hat er von befreundeten Arztkollegen oder Kliniken in Deutschland erhalten. Kühn hat bei seinem Aufenthalt im November/Dezember alles ausgepackt, sortiert und die Geräte in Betrieb genommen.

Viele Moped-Unfälle

Ein Problem in Tansanias Städten stellen die Unfälle mit den Mopedtaxis, den sogenannten Bodabodas, dar. „Viele junge Menschen, die arbeitslos sind, versuchen damit, ihr Geld zu verdienen“, so Kühn. „Diese Taxis stehen an jeder Ecke, und entsprechend oft passieren Unfälle, bei denen die kaum geschützten Fahrer verletzt werden.“

Werden diese Verletzungen nicht fachgerecht versorgt, seien diese Menschen für den Rest ihres Lebens Invaliden, so Kühn.

Neben den gespendeten Utensilien bleiben auch die Container an der Klinik und dienen dort künftig als Lager. Auf ihnen sind auch viele Namen der deutschen Spender verewigt.

Kühn will im Mai wieder nach Tansania reisen. Bereits ab 1. April wird ein deutscher Chirurg an der Klinik in Mwanza seinen auf drei Jahre ausgelegten Dienst antreten.

„Ich weiß auch von weiteren Kollegen, die Interesse an einer solchen Tätigkeit haben“, sagt Thomas Kühn. Zuvor kommen Ende Januar ein Arzt und ein OP-Pfleger aus Mwanza für vier Wochen zu ihm in die Nova Clinic, um sich vier Wochen lang weiterzubilden.

Kühn will auch künftig weitere Spenden und medizinische Ausrüstung sammeln, um weitere Container losschicken zu können. Hierbei wird er mit der Sammelzentrale der Aktion Hoffnung in Laupheim kooperieren.

„Die haben Personal, Gabelstapler und Lagerfläche, um das alles zu koordinieren“, so Kühn. Sein Plan ist, die Hilfe auch auf weitere Kliniken in Tansania und andere afrikanische Länder auszudehnen. „Dafür brauche ich weiterhin Spenden und danke allen, die sich bisher bereits beteiligt haben.“

Warum er sich diese ganze Arbeit in seinem Ruhestand auflädt? „Ich opfere mich dabei nicht auf“, antwortet Kühn. „Ich tue es, weil es mir Spaß macht und ich damit gut helfen kann. Dümmer werde ich dadurch sicher nicht.“

 

Dr. med. Thomas Kühn

Facharzt für Orthopädie
und Unfallchirurgie
Ambulantes Operieren
Sportmedizin, Chirotherapie
Sozialmedizin, Rehabilitation

Sitz der „Kuehn Foundation“

Probststr. 13
88400 Biberach

www.kuehn-foundation.de
t.kuehn@kuehn-foundation.de